Pharmazeutische Anwendungen

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Thermogravimetrie in der Pharmazie: Ein Kompendium

Die Thermogravimetrie stellt einen Eckpfeiler der pharmazeutischen Analytik dar. Sie ermöglicht die genaue Untersuchung der Zusammensetzung und Stabilität pharmazeutischer Substanzen durch das Messen der Massenänderung unter kontrollierten Temperaturbedingungen. Dieses Kapitel fokussiert sich darauf, wie dieses Verfahren im pharmazeutischen Anwendungsbereich, insbesondere unter Beachtung von Vorgaben gemäß Arzneibuch, angewendet wird.

Die Basis: Wichtigkeit von Atmosphären

Der Einfluss von Atmosphären

Die korrekte Wahl zwischen inerten und reaktiven Atmosphären ist grundlegend für aussagekräftige Ergebnisse in pharmazeutischen Prüfungen wie Identitätsprüfung und Bestimmung des Trocknungsverlustes.

Die Atmosphäre, in der eine Probe untersucht wird, hat einen direkten Einfluss darauf, wie sie sich unter Wärmeeinfluss verhält. In einer inerten Atmosphäre (z.B. Stickstoff) bleiben Oxidationsprozesse aus, die eventuell in Anwesenheit von Sauerstoff stattfinden würden. In einer reaktiven Atmosphäre, wie Luft, können hingegen Eigenschaften wie Oxidationsstabilität überprüft werden.

Identifizierung und Charakterisierung durch Massenänderung

Die Thermogravimetrie eröffnet die Möglichkeit, den Verlust von Kristallwasser (Hydratwasser) und flüchtigen Begleitstoffen wie Lösungsmitteln oder die Veränderungen durch Oxidationsprozesse zu erfassen. Ein klassisches Beispiel hierfür ist Kupfersulfatpentahydrat (\(\text{CuSO}_4·5\text{H}_2\text{O}\)), dessen Verhalten bei steigenden Temperaturen – insbesondere der Verlust von Hydratwasser und die damit einhergehende Änderung in der Kristallstruktur – zur Identifizierung und Charakterisierung genutzt wird.

Die Grenzen: Keine Massenänderung, keine Thermogravimetrie

Nicht jede physikalische oder chemische Veränderung einer Substanz geht mit einer Massenänderung einher. Prozesse wie das schadstofffreie Schmelzen eines Wirkstoffes oder die Umwandlung von polymorphen Modifikationen haben keinen Einfluss auf die Masse und sind demnach mittels Thermogravimetrie nicht erfassbar.

Thermowaage: Das analytische Herzstück

Die Thermowaage steht im Zentrum dieser Analysemethode. Mit ihr können spezifische Prozesse wie die Feuchtigkeitsbestimmung durch das Verdunsten von Wasser oder Lösungsmitteln sowie die Untersuchung von Oxidations- und Reduktionsprozessen durch den Verlust flüchtiger Komponenten genau untersucht werden.

Die Grenzen der Thermogravimetrie

E/Z-Isomerisierungen, Racemisierungen oder die Untersuchung der Kristallinität von Polymeren sind Beispiele von Prozessen ohne Massenänderung und daher nicht mit der Thermogravimetrie erfassbar.

Zusammenfassung

  • Thermogravimetrie ist eine Methode zur Gehaltsbestimmung, Charakterisierung und Identifizierung von Substanzen in der Pharmazie, indem sie Massenänderungen misst, z.B. durch Verlust von Hydratwasser.
  • Inerte und reaktive Atmosphären sind wichtig bei pharmazeutischen Prüfungen durch Thermogravimetrie, um Oxidation zu vermeiden oder gezielt Reduktions- oder Oxidationsprozesse zu untersuchen.
  • Hydratwasser (Kristallwasser) ist eine kritische Komponente, deren Verlust bei Erwärmung zu einer Massenreduktion führt und dadurch in der Thermogravimetrie erfasst wird.
  • Kupfersulfatpentahydrat dient als Beispielsubstanz, bei der der Verlust von Hydratwasser und Änderungen in der Kristallstruktur im Kontext der pharmazeutischen Analyse relevant sind.
  • Feuchtigkeitsbestimmung ist eine Anwendung der Thermogravimetrie, die den Verlust von Wasser oder Lösungsmitteln durch Verdunstung misst, wichtig für die Qualitätssicherung von pharmazeutischen Produkten.
  • Prozesse ohne Massenänderung, wie E/Z-Isomerisierungen, können mit der Thermogravimetrie nicht untersucht werden, da die Technik auf Massenveränderungen beruht.

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