Kovalente Bindung
IMPP-Score: 3.5
Bindungstypen und ihre Charakteristika
Kovalente Bindung
Die kovalente Bindung entsteht, wenn zwei Atome Elektronenpaare teilen, um ihre Elektronenschalen zu vervollständigen. Diese Bindungsart ist typisch für Nichtmetalle. Hier ist das Konzept einmal verdeutlicht anhand von dem Wasserstoffmolekül:
Für das IMPP war in der Vergangenheit relevant, die Definition der kovalenten Bindung durch Beispiele zu verdeutlichen und herauszustellen, dass in Molekülen wie Brommolekül (Br2) die Elektronen gleich verteilt sind, da beide Atome gleich elektronegativ sind.
Es ist entscheidend zu verstehen, dass in einer kovalenten Bindung die Elektronen zwischen den Atomen geteilt werden, was eine gewisse Elektronendichte zwischen den Kernen schafft. Bei symmetrischen Molekülen wie Br2 ist die Bindung unpolaren Charakters und das Elektronenpaar ist gleichmäßig verteilt.
Polarität in kovalenten Bindungen
Kovalente Bindungen können polar oder unpolar sein. Ein Maß für die Polarität ist die Elektronegativität der Atome. Bei gleicher Elektronegativität wie im Br2 ist die Bindung unpolar. Sind die Elektronegativitätswerte ungleich, entsteht eine polare kovalente Bindung. Der Fall von Wasser (H2O) ist hierbei exemplarisch, da die Bindungen zwischen dem Sauerstoffatom (höhere Elektronegativität) und den Wasserstoffatomen (niedrigere Elektronegativität) polar sind.
In der Grafik ist das Konzept der polaren Bindung verdeutlicht. Symmetrie ist ein weiteres Schlüsselaspekt in der Molekülstruktur, der direkte Auswirkungen auf das Dipolmoment hat. Moleküle wie BF3, die trotz polarer Bindungen symmetrisch aufgebaut sind, zeigen kein permanentes Dipolmoment und demnach auch keine Dipol-Dipol-Wechselwirkungen.
Die Polarität einer kovalenten Bindung ist zentral für die physikalischen Eigenschaften der Moleküle und wird stark durch die Elektronegativität bestimmt. Das IMPP könnte in Betracht ziehen, nach der Richtung und Größe des Dipolmoments polaren Molekülen zu fragen.
Bindungsenergie
Die Bindungsenergie gibt an, wie stark die Bindung zwischen zwei Atomen ist, d.h., wie viel Energie man benötigt, um sie zu brechen. Die Bindungsenergie ist abhängig von der Anzahl der geteilten Elektronenpaare (Bindungsordnung), der Kern-Kern Bindungslänge, und der Elektronegativität. Mehrfachbindungen wie Doppel- und Dreifachbindungen haben in der Regel eine höhere Bindungsenergie als Einfachbindungen.
Die Bindungsenergie wird durch Faktoren wie Bindungstyp (Einfach-, Doppel-, Dreifachbindung), Bindungslänge und Elektronegativität beeinflusst. Für das IMPP kann dies relevant werden, wenn es um Stabilität und Reaktivität von Molekülen geht.
Dipolmoment und Molekülgeometrie
Das Dipolmoment ist ein Maß für die Ladungsverteilung in einem Molekül, hervorgerufen durch unterschiedliche Elektronegativitäten und durch die Molekülgeometrie. Moleküle wie CO2 oder BF3 haben trotz polarer Bindungen kein Dipolmoment, da die symmetrische Anordnung dazu führt, dass sich die einzelnen Bindungsdipole aufheben. Im Gegensatz dazu hat NH3 ein Dipolmoment, weil es eine asymmetrische Ladungsverteilung hat: Es ist trigonal-pyramidal gebaut.
Verstehe, dass selbst bei Vorhandensein polarer Bindungen das gesamte Molekül kein Dipolmoment aufweisen muss, wenn es symmetrisch ist. Asymmetrische Moleküle wie NH3 oder SO2 zeigen hingegen ein Dipolmoment, das für Löslichkeit und intermolekulare Wechselwirkungen von Bedeutung ist.
Die Molekülgeometrie und ihre Prinzipien
Die Molekülgeometrie beschreibt die dreidimensionale Anordnung der Atome in einem Molekül. Dein Verständnis der Molekülgeometrie ist unerlässlich, um VSEPR-Modell, Hybridisierung und damit verbundene Konzepte zu meistern. Gerade für das IMPP ist es wichtig, die Grundlagen zu diesen Themen genau zu verstehen, da sie gerne in Fragen adressiert werden.
Das VSEPR-Modell
Beginnen wir mit dem VSEPR-Modell (Valence Shell Electron Pair Repulsion). Dieses Modell beruht auf der Idee, dass Elektronenpaare in der Valenzschale eines Atoms sich gegenseitig abstoßen und sich so anordnen, dass sie den größtmöglichen Abstand zueinander halten. Dadurch entsteht eine bestimmte geometrische Struktur, die wir beobachten können.
Die VSEPR-Theorie ist ein Kernkonzept der Molekülgeometrie und essentiell für das Verständnis von Molekülstrukturen.
Überblick
Freies Elektronenpaar | Bindungspartner | Geometrie | Typische Hybridisierung | Beispiel |
---|---|---|---|---|
Nein | 2 | Linear | \(sp\) | \(CO_2\) |
Nein | 3 | Trigonal-planar | \(sp^2\) | \(CO_3^{2-}\) |
Nein | 4 | Tetraedrisch | \(sp^3\) | \(SO_4^{2-}\) |
Nein | 5 | Trigonal-bipyramidal | \(sp^3d\) | \(PCl_5\) |
Nein | 6 | Oktaedrisch | \(sp^3d^2\) | \(SF_6\) |
Ja | 2 | Gewinkelt | \(sp^2\) | \(NO_2^-\) |
Ja | 3 | Trigonal-pyramidal | \(sp^3\) | \(PCl_3\) |
Anwendung des VSEPR-Modells: Einzelbeispiele
NO3- (Nitrat-Ion): Dieses Ion hat eine trigonal-planare Struktur mit einem Winkel von 120° zwischen den Sauerstoffatomen. Der Grund liegt in der Abstoßung der drei Bindungselektronenpaare, die sich um das Stickstoffatom gruppieren.
SF6 (Schwefelhexafluorid): SF6 ist ein Beispiel für eine oktaedrische Struktur. Hier versuchen sechs Bindungspaare, die sich um das Schwefelatom befinden, aufgrund ihrer gegenseitigen Abstoßung, die maximale Distanz zueinander zu halten.
BCl3 (Bortrichlorid): BCl3 hat drei Bindungspartner und kein freies Elektronenpaar, was zu einer trigonal-planaren Struktur führt. Würde es freie Elektronenpaare geben, könnten sich andere Strukturen ausbilden.
Geometrien mit Freien Elektronenpaaren
Die Anwesenheit von freien Elektronenpaaren beeinflusst die Molekülgeometrie stark, weil diese Paare eine größere Abstoßungskraft ausüben als bindende Elektronenpaare.
Hybridisierung von Orbitalen
Die Hybridisierung ist der Prozess, in dem Atomorbitale einer Energieebene sich “vermischen”, um neue, gleichwertige Hybridorbitale zu bilden. Dieses Konzept wird eingeführt, um die tatsächlichen Molekülgeometrien zu erklären, die mit dem VSEPR-Modell allein nicht immer erklärt werden können.
Typen der Hybridisierung und ihre Geometrien
sp-Hybridisierung: Bei Molekülen mit einer Dreifachbindung, wie im Falle von Blausäure (HC≡N) oder Dicyan (C≡N-C≡N), führt eine sp-Hybridisierung zu einer linearen Molekülgeometrie. Hier mischen sich ein s-Orbital und ein p-Orbital zu zwei identischen sp-Hybridorbitalen.
sp3d-Hybridisierung: Bei Phosphorpentachlorid (PCl5) führt die sp3d-Hybridisierung zu einer trigonal-bipyramidalen Struktur. Hier vermischen sich ein s-Orbital, drei p-Orbitale und ein d-Orbital, um fünf äquivalente sp3d-Hybridorbitale zu kreieren.
Die Fragen des IMPP konzentrieren sich oft auf die Hybridisierung und daraus resultierende Molekülgeometrien. Verstehe gut, wie aus der Mischung von s, p und manchmal d Orbitalen spezifische Strukturen wie die lineare oder trigonal-bipyramidale entstehen.
Isoelektronische Spezies
Zum Schluss solltest du in der Lage sein, isoelektronische Spezies zu identifizieren. Das sind Atome, Ionen oder Moleküle mit der gleichen Anzahl an Elektronen und somit oft ähnlichen Strukturen. Setze dein Wissen von Elektronenkonfigurationen ein, um die Struktur von Molekülen und Ionen mit ähnlichem strukturellen Aufbau zu erkennen.
- Beispiel NO3- und CO32-: Trotz unterschiedlicher Atome sind diese Ionen isoelektronisch und haben beide eine trigonal-planare Struktur.
Indem du das Konzept der Valenz von Atomen und die Ideen der VSEPR-Theorie zusammenbringst, kannst du nun ein umfassendes Verständnis davon gewinnen, wie Moleküle auf atomarer Ebene “geformt” werden.
Das Konzept der Mesomerie (Resonanz)
Mesomerie oder auch Resonanz ist ein grundlegendes Konzept in der organischen und anorganischen Chemie und hilft uns, die Stabilität und Eigenschaften vieler Moleküle zu verstehen. Die Idee dahinter ist, dass die tatsächliche Struktur eines Moleküls nicht durch eine einzelne Lewis-Struktur korrekt dargestellt werden kann, sondern als eine Überlagerung mehrerer Grenzstrukturen zu verstehen ist.
Delokalisierte Bindungen und Elektronendichte
In mesomeren Systemen sind bestimmte Elektronen – oft π-Elektronen – nicht an ein einzelnes Atom oder eine einzelne Bindung gebunden, sondern über mehrere Atome verteilt (delokalisiert). Dies führt zur Stabilisierung des Moleküls, weil die Elektronendichte gleichmäßig verteilt ist, was energetisch günstiger ist als eine lokalisierte Elektronendichte.
Ein klassisches Beispiel hierfür ist das Benzolmolekül (C₆H₆). In den mesomeren Grenzformen des Benzols wechseln sich Einfach- und Doppelbindungen ab. Doch statt dieser alternierenden Bindungen existiert in der Realität ein Zustand, in dem alle C-C-Bindungen teilweise Doppelbindungscharakter besitzen. Die Elektronen sind über den gesamten Ring delokalisiert, was Benzol besonders stabil macht.
Die Delokalisierung von Elektronen führt zu einer niedrigeren Gesamtenergie des Systems, da Elektronen über einen größeren Raum verteilt sein können, was die Elektronen-Elektronen-Abstoßung minimiert.
Regeln zur Beurteilung mesomerer Grenzformeln
Das IMPP fragt besonders gerne nach den Regeln zur Beurteilung der mesomeren Grenzformeln:
- Grenzformen mit Oktettvollendung bei allen Atomen sind generell energetisch günstiger.
- Formen, in denen die Ladungen minimal sind und nahe an den elektronegativeren Atomen liegen, werden bevorzugt.
- Ladungstrennungen (negative und positive Ladung in unterschiedlichen Teilen des Moleküls) sind weniger stabil als Grenzformen ohne solche Trennungen.
Anwendung und Beispiele
Neben Benzol sind auch die Sulfationen (SO₄²⁻) und Nitrationen (NO₃⁻) klassische Beispiele für Systeme, die durch Mesomerie stabilisiert werden. Bei diesen Ionen sind die positive oder negative Ladung über mehrere Atome verteilt.
Im Falle von Schwefeltrioxid (SO₃) oder dem Carbonation (CO₃²⁻) gibt es mehrere gleichwertige Formen, die eine Doppelbindung zwischen dem Zentralatom und einem der Sauerstoffatome zeigen. Keine davon repräsentiert jedoch die wahre Struktur allein; stattdessen ist die tatsächliche Struktur ein Hybrid aller dieser Formen mit gleichmäßiger Verteilung der Doppelbindungscharakteristik.
Hyperkonjugation
Ein weiteres Konzept ist die Hyperkonjugation, die besonders bei konjugierten Systemen wie Buta-1,3-dien auftritt. Hier können σ-Bindungselektronen mit angrenzenden π-Orbitalen in Wechselwirkung treten, um die Verteilung der Elektronen zu stabilisieren.
Hyperkonjugation kann als Verstärkung der Elektronendelokalisierung in Molekülen mit konjugierten Systemen gesehen werden, die zusätzliche Stabilisierung bietet.
Dreizentrenbindung bei BF₃
Bei Bortrifluorid (BF3) tritt ein besonderes Phänomen auf: die sogenannte Dreizentrenbindung. Es gibt nicht genug Elektronen, um allen Bor-Fluor-Bindungen vollständigen Doppelbindungscharakter zu geben. Stattdessen gibt es eine delokalisierte Verteilung der Elektronen über alle drei B-F-Bindungen, wodurch weniger als eine Doppel- und mehr als eine Einfachbindung entsteht.
Das IMPP legt Wert darauf, dass du das Prinzip der Dreizentrenbindung verstehst, da es zeigt, dass nicht alle Verbindungen einfach durch Einfach- oder Doppelbindungen innerhalb von zwei Zentren erklärbar sind.
Zusammengefasst hilft das Konzept der Mesomerie und der damit verwandten Phänomene, wie der Dreizentrenbindung, dabei, die Stabilität und Eigenschaften bestimmter Moleküle zu verstehen und korrekt vorherzusagen. Es ist deshalb ein wichtiger Bestandteil für das Verständnis der chemischen Bindung und sollte daher in deinen Vorbereitungen für das Examen gründlich gelernt werden.
Zusammenfassung
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Footnotes
Credits Prinzip der kovalenten Bindung Grafik: Jacek FH, Covalent bond hydrogen, CC BY-SA 3.0↩︎
Credits Dipol in einer polaren, kovalenten Bindung Grafik: Xzapro4, Dipole Water, CC BY-SA 3.0↩︎
Credits Mesomere Grenzstrukturen Grafik: Benjah-bmm27, Carbonate-ion-resonance-2D, als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons↩︎
Credits Konzept der Dreizentrenbindung Grafik: Dr.Bischoff, DreizentrenbindungZ, CC BY-SA 3.0 DE↩︎