Aliphatische und aromatische Amine

IMPP-Score: 3.1

Herstellung und Synthesewege von aliphatischen und aromatischen Aminen

Amine sind wesentlich in der organischen Chemie und kommen in vielen biologisch aktiven Molekülen vor. Darum ist es wichtig, dass du verschiedene Synthesewege kennst, um sowohl aliphatische als auch aromatische Amine herzustellen.

Pentan-2-amin1

Herstellung aliphatischer Amine

Gabriel-Synthese

Die Gabriel-Synthese ist ein Klassiker für die Darstellung von primären Aminen. Hierbei werden Phthalimid-Kaliumsalz und Alkylhalogenide genutzt, um das gewünschte primäre Amin zu erhalten. Denke daran, dass dieser Weg vor allem für Amine genutzt wird, die nicht direkt zugänglich sind oder die mittels anderer Reaktionen nicht ohne weiteres erreicht werden können.

Prinzip der Gabriel-Synthese2

Reduktion von Nitroalkanen

Primäre aliphatische Amine können durch die Reduktion von Nitroverbindungen mit Metallen wie Zinn (Sn) und Salzsäure (HCl) synthetisiert werden. Ein Beispiel hierfür ist die Umwandlung von Nitrobenzol zu Anilin. Diese Reduktion findet oftmals in saurer Lösung statt und führt zu primären Aminen.

Reduktion von Nitrilen

Durch die Hydrierung oder die Verwendung von starken Reduktionsmitteln wie Lithiumaluminiumhydrid (LAH) können Nitrile zu primären Aminen umgesetzt werden. Der wichtigste Punkt, den du hier verstehen musst, ist dass Nitrile durch Grignard-Reagentien oder Alkylhalogenide zugänglich sind und somit eine Vielzahl von Aminen mit unterschiedlichen Alkylgruppen synthetisiert werden können.

Reduktion von Amiden

Amide lassen sich mittels LAH zu Aminen reduzieren. Dies gilt sowohl für aliphatische als auch für aromatische Amide und resultiert in der Bildung von primären Aminen. Hierbei ist besonders das Verständnis relevant, dass der Sauerstoff des Amids durch ein Wasserstoffatom ersetzt wird, was zur Bildung des Amins führt.

Herstellung aromatischer Amine

Reduktion von Nitroaromaten

Ein häufiger Weg zu primären aromatischen Aminen ist die Reduktion von Nitroaromaten. Hierbei kann als Reduktionsmittel zum Beispiel Eisen in saurer Lösung (Eisenstaub und HCl) eingesetzt werden, was zum aromatischen Amin führt. Ein gutes Beispiel ist eben die Reduktion von Nitrobenzol zu Anilin.

Diazotierung und Sandmeyer-Reaktion

Aromatische Amine können zu Diazoniumsalzen diazotiert werden. Diese Salze sind Reaktionszwischenprodukte, die in Sandmeyer-Reaktionen genutzt werden können, um entweder durch Einführung einer neuen funktionellen Gruppe oder durch Einbringen von Substituenten in den aromatischen Ring neue Verbindungen zu generieren.

Wichtig für das Examen

Das IMPP fragt besonders gerne nach den Reduktionen von Nitroverbindungen und Nitrilen, da hier das Verständnis für verschiedene Reduktionsmittel und die damit verbundenen Mechanismen wichtig ist. Auch die Gabriel-Synthese ist ein beliebter Prüfungsinhalt, weil sie ein spezifischer Weg zur Synthese von primären Aminen darstellt. Verstehst du diese Konzepte, kannst du eine Vielzahl von Fragen zur Synthese von Aminen beantworten.

Hoffmann-Umlagerung

Eine weitere wichtige Reaktion ist die Hoffmann-Umlagerung, bei der aus einem Amid durch eine Behandlung mit Brom und einer Base ein primäres Amin mit einer um ein Kohlenstoffatom geringeren Kettenlänge entsteht. Denke daran, dass hierbei ein Isocyanat als Zwischenprodukt auftritt, welches dann zu einem Amin hydrolysiert wird.

Eigenschaften und Basizität von aliphatischen und aromatischen Aminen

Amine sind organische Verbindungen, die sich vom Ammoniak (NH₃) ableiten, wobei eines oder mehrere Wasserstoffatome durch Alkyl- oder Arylgruppen ersetzt sind. Sie können als aliphatische Amine (wenn sie an Alkylgruppen gebunden sind) und als aromatische Amine (wenn ein Arylrest vorhanden ist) kategorisiert werden. In diesem Abschnitt konzentrieren wir uns auf die Eigenschaften und die Basizität dieser wichtigen Substanzklassen.

Basizität von Aminen

Die Basizität eines Amins wird durch seine Fähigkeit bestimmt, ein Proton (\(H^+\)) zu binden. Diese Fähigkeit hängt davon ab, wie verfügbar das freie Elektronenpaar am Stickstoffatom ist.

Basizität der Amine3
Induktive und Mesomerie-Effekte

Die Basizität von Aminen ist stark von induktiven und mesomeren Effekten beeinflusst. Aliphatische Amine erleben eine Steigerung der Basizität durch +I-Effekte von Alkylgruppen, während die Basizität aromatischer Amine durch Delokalisation des freien Elektronenpaars und mesomere Stabilisierung verringert wird.

Aliphatische Amine haben in der Regel das höchste Protonierungspotenzial, da hier kein Mesomerie-Effekt, wie bei den aromatischen Aminen, auftritt. Sie haben ein freies Elektronenpaar am sp³-hybridisierten Stickstoffatom, das leicht ein Proton aufnehmen kann. Dieses freie Elektronenpaar wird durch Alkylsubstituenten durch den +I-Effekt elektronenreicher, was die Basizität weiter steigert. Daher sind primäre aliphatische Amine mit nur einem Alkylrest basischer als Ammoniak, und diese Basizität steigt mit zunehmender Anzahl und Größe der Alkylgruppen.

Aromatische Amine, wie Anilin, haben eine geringere Elektronendichte am Stickstoffatom, da die Elektronen teilweise in das aromatische Ringsystem delokalisiert sind. Dies bedeutet, dass die Verfügbarkeit des freien Elektronenpaars für die Protonierung verringert und die Basizität herabgesetzt wird. Bei Anilin findet keine komplette Delokalisation statt; dies erklärt, warum Anilin immer noch eine gewisse Basizität aufweist.

Basizität und konjugierte Säuren

Der Zusammenhang zwischen den \(pK_b\)-Werten von Aminen und den \(pK_a\)-Werten ihrer konjugierten Säuren ist essentiell, um das Verhalten von Aminen in chemischen Reaktionen zu verstehen.

pKb und pKa Werte

Für das IMPP ist es besonders wichtig, dass ihr die Beziehung zwischen den \(pK_b\)-Werten von Aminen und den \(pK_a\)-Werten ihrer konjugierten Säuren versteht. Eine niedrigere \(pK_b\) entspricht einer stärkeren Base und damit einer schwächeren konjugierten Säure (höherer \(pK_a\)).

Ein tieferes Verständnis der elektronischen Effekte, wie induktive Effekte und Mesomerie, ist essentiell, um vorherzusagen, wie sich die Basizität verändert, wenn beispielsweise Substituenten an das Stickstoffatom oder in die Umgebung des Stickstoffs in einem aromatischen System eingeführt werden.

Basizität und Stickstoffsubstitution

Beim Vergleich der Basizität von Aminen ist zu beachten:

  • Primäre Amine (R-NH₂) erfahren einen moderaten +I-Effekt von der Alkylgruppe R, was ihre Basizität erhöht.
  • Sekundäre Amine (R₂NH) können eine stärkere Erhöhung der Elektronendichte aufweisen, da sie zwei Alkylreste haben.
  • Tertiäre Amine (R₃N) zeigen oft die höchste Basizität unter den aliphatischen Aminen, solange keine sterische Hinderung vorliegt.

Aromatische Amin-Derivate

Bestimmte aromatische Amine, wie Pyridin und dessen Derivate, zeigen eine Variabilität in ihrer Basizität aufgrund der Position des Stickstoffs im Ringsystem und der daran gebundenen Substituenten.

Mesomerie bei aromatischen Aminen

Aromatische Amine wie Pyrrol zeigen eine geringere Basizität als ihre aliphatischen Gegenstücke, weil das freie Elektronenpaar des Stickstoffs in das aromatische System des Rings eingebunden ist.

Für die Prüfungsvorbereitung ist es effektiv, sich Beispiele von Molekülen anzusehen, die diese Eigenschaften verkörpern. Vergleiche Pyridin, Piperidin und Pyrrol miteinander, um zu verstehen, wie die Basizität durch die unterschiedliche elektronische Struktur der Stickstoffatome beeinflusst wird.

Anwendungen und Reaktionen von aliphatischen und aromatischen Aminen

Amine sind organische Verbindungen, die von Ammoniak abstammen, indem eines oder mehrere Wasserstoffatome durch Alkyl- oder Arylgruppen ersetzt wurden. Aliphatische Amine beinhalten jene, in denen das Stickstoffatom an Alkylgruppen gebunden ist, während aromatische Amine mindestens einen Arylrest (zum Beispiel einen Benzolring) enthalten. Die Reaktionen und Anwendungen von Aminen sind so vielfältig wie ihre Struktur. Lasst uns diese Welt etwas näher betrachten.

Anwendungen von Aminen im Industrie- und Pharmaumfeld

Amine spielen eine zentrale Rolle in der organischen Chemie und Pharmazie. Wichtige Anwendungen umfassen:

  • Diazotierung: Aromatische Amine können zu Diazoniumsalzen umgesetzt werden, die dann für weitergehende Synthesen, wie die Herstellung von Farbstoffen oder in der Sandmeyer-Reaktion verwendet werden.

  • Peptidsynthese: Die Verwendung von Aminen wie Piperidin zur Abspaltung der Fmoc-Schutzgruppe demonstriert ihre Rolle in der organischen Synthese.

  • Bildung von Enaminen: Durch Reaktion von sekundären Aminen mit Ketonen können Enamine gebildet werden, die als Zwischenprodukte in der organischen Synthese dienen.

  • Synthese pharmazeutischer Produkte: Einige Medikamente enthalten Amin-Gruppen, die spezifische biologische Wirkungen zeigen. Dazu gehören Lokalanästhetika, Antihistaminika und viele andere.

Wichtige Reaktionstypen

In Prüfungen wird häufig die Kenntnis bestimmter Reaktionstypen von Aminen gefordert:

  • Reduktion: Die Umwandlung von Nitrogruppen zu Aminogruppen mit Reduktionsmitteln wie Lithiumaluminiumhydrid.

  • Alkylierung: Aminogruppen (wie die in Pyridin) können in nucleophile Substitutionen eingebunden werden und erlauben so die Alkylierung am Stickstoff.

  • Acidität der Ammoniumionen: Verstehen, dass Ammoniumionen (protonierte Amine) saure Eigenschaften zeigen.

  • Hofmann-Eliminierung: Eine wichtige Reaktion, bei der aus Ammoniumsalzen Alkene erzeugt werden.

Zusammenfassung

  • Basizität von Aminen: Aliphatische Amine sind in der Regel stärker basisch als aromatische Amine, weil das freie Elektronenpaar am Stickstoffatom leichter ein Proton aufnehmen kann.
  • Synthese primärer Amine: Primäre Amine können durch verschiedene Methoden wie die Gabriel-Synthese, die Reduktion von Nitroverbindungen, Nitrilen oder Amiden hergestellt werden.
  • Substituenteneffekte auf Basizität: Elektronenschiebende Alkylgruppen erhöhen die Basizität von Aminen aufgrund des +I-Effekts, indem sie die Elektronendichte am Stickstoff erhöhen.
  • Mesomerie-Effekte: Die Basizität von Aminen in konjugierten Systemen kann aufgrund von Mesomerie-Effekten erhöht sein, die die positive Ladung nach der Protonierung über ein größeres System verteilen.
  • pKa- und pKb-Werte als Basizitätsindikatoren: Die Stärke einer Base wird durch den pKb-Wert angegeben, und der pKa-Wert der konjugierten Säure gibt an, wie leicht ein Proton abgegeben wird.
  • Stickstoffhybridisierung und Basizität: Die Hybridisierung des Stickstoffatoms (sp3 vs. sp2) kann die Verfügbarkeit des freien Elektronenpaars und somit die Basizität eines Amins beeinflussen.
  • Diazotierung von Aminen: Primäre Amine, vor allem aromatische, können zu Diazoniumsalzen diazotiert werden, die in weiteren Synthesen verwendet werden können.

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Footnotes

  1. Credits Pentan-2-amin Grafik: Emeldir, Pentan-2-amine 200, als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons↩︎

  2. Credits Prinzip der Gabriel-Synthese Grafik: Дёрте Вилкен, Gabriel Synthese 1 Überblick4, als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons↩︎

  3. Credits Basizität der Amine Grafik: Hermann Luyken, Amines basicity aqueous German, CC BY-SA 3.0↩︎