Ligandenfeldtheorie

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Grundlagen der Ligandenfeldtheorie

Die Ligandenfeldtheorie ist ein zentraler Bestandteil des Verständnisses von Komplexverbindungen der allgemeinen Chemie. Sie erklärt das Verhalten von Übergangsmetallionen in Komplexen basierend auf den Wechselwirkungen zwischen den d-Orbitalen des Metalls und den Liganden.

d-Orbitalaufspaltung in oktaedrischen Komplexen

In einem oktaedrischen Ligandenfeld spalten sich die fünf entarteten d-Orbitale in zwei Gruppen auf: die tiefere energetische Ebene, die aus drei t2g-Orbitalen (dxy, dyz, dxz) besteht, und die höhere energetische Ebene, bestehend aus zwei eg-Orbitalen (dz2, dx2-y2). Dies passiert aufgrund der elektrostatischen Wechselwirkungen zwischen den Liganden und den d-Elektronen des Zentralmetalls.

Aufspaltung des Ligandenfelds im oktaedrischen Komplex1

Dieser Zusammenhang ist in der oben stehenden Grafik verdeutlicht. Man kann klar die Aufspaltung der d-Orbitale in ein oktaedrisches Ligandenfeld erkennen.

Warum die Aufspaltung stattfindet

Die Aufspaltung der d-Orbitale in einem oktaedrischen Ligandenfeld ergibt sich aus der räumlichen Ausrichtung der Liganden um das Zentralmetall, welche zu unterschiedlichen elektrostatischen Wechselwirkungen mit den d-Orbitalen führt.

d-Orbitalaufspaltung in quadratisch planaren Komplexen

Im Gegensatz dazu zeigen quadratisch planare Komplexe eine andere Aufspaltung. Hier ist das dx2-y2-Orbital das energiereichste und die Aufspaltung erfolgt so, dass dieses Orbital am höchsten liegt. Dies ist von besonderer Bedeutung bei d9-Konfiguration, wie sie häufig bei Kupfer(II), Palladium(II) und Platin(II) zu finden ist.

Aufspaltung des Ligandenfelds im quadratisch-planaren Komplex2
Besonderheit bei d9-Konfiguration

Metalle mit einer d9-Elektronenkonfiguration bevorzugen oft eine quadratisch planare Geometrie, wobei das einzige ungepaarte Elektron im dx2-y2-Orbital sitzt, was energetisch günstiger ist als eine höhere Koordinationszahl bzw. oktaedrische Geometrie.

Abhängigkeit der Orbitalaufspaltung

Die Größe dieser Aufspaltung wird beeinflusst von:

  • der Art der Liganden (spektrochemische Reihe)
  • der Oxidationsstufe des Metalls
  • elektrostatischen Wechselwirkungen

Starke Feldliganden wie CN⁻ oder CO verursachen eine große Aufspaltung der d-Orbitale, während schwache Feldliganden wie I⁻ oder Br⁻ eine vergleichsweise geringe Aufspaltung bewirken.

High-Spin vs. Low-Spin Komplexe

Die Entscheidung, ob ein Komplex high-spin oder low-spin ist, hängt von der Größe der d-Orbitalaufspaltung ab. Eine große Aufspaltung begünstigt die Bildung eines low-spin-Komplexes, in dem Elektronen zunächst die t2g-Orbitale besetzen und Elektronenpaarungen begünstigt werden, um die höheren eg-Niveaus zu vermeiden.

Hund’sche Regel und magnetische Eigenschaften

Die Hund’sche Regel, nach der Orbitale erst einfach besetzt werden, bevor eine Paarung erfolgt, ist bei der Besetzung der d-Niveaus in high-spin-Komplexen relevant. Der resultierende Spin-Zustand wirkt sich direkt auf die magnetischen Eigenschaften (diamagnetisch vs. paramagnetisch) der Komplexe aus.

Spektrochemische Reihe

Die spektrochemische Reihe ordnet die Liganden nach deren Aufspaltung der d-Orbital-Energien des Metalls innerhalb eines Komplexes. Hier kann man also ablesen, wie stark die energetische Aufspaltung der d-Orbitale ist. Nach der spektrochemischen Reihe sind die Liganden wie folgt geordnet:

\[I^- < Br^– < SCN^- < Cl^– < F^– < OH^– < H_2O < NH_3 < CN^– = CO\]

Bei besonders starker energetischer Aufspaltung der d-Orbitale kommt es auch zur Bildung von besonders stabilen Komplexen mit großen Komplexbildungskonstanten. Daher kann man mit dieser Reihe auch in den Prüfungsfragen häufig Aussagen zur Stabilität von den vorgelegten Komplexen beantworten.

Magnetische Eigenschaften von Komplexen

Die Besetzung der d-Orbitale und die daraus resultierende Anzahl der ungepaarten Elektronen bestimmen die magnetischen Eigenschaften eines Komplexes. Diamagnetische Komplexe haben keine ungepaarten Elektronen, während paramagnetische eine oder mehrere ungepaarte Elektronen aufweisen.

Lichtabsorption und Farbe von Komplexen

Die Farbe von Komplexverbindungen ist oft auf die Absorption von Licht bestimmter Wellenlängen zurückzuführen, welches die Energie bereitstellt, die nötig ist, um Elektronen innerhalb des aufgespaltenen d-Orbitalsets zu bewegen.

Zusammenhang von Farbe und Orbitalaufspaltung

Das IMPP fragt besonders gerne nach dem Zusammenhang von Farbe und Orbitalaufspaltung in Komplexen - ihr solltet also verstehen, wie die spektrochemische Reihe und die d-Orbitalaufspaltung die Lichtabsorption und somit die Farbigkeit beeinflussen.

Insgesamt liefert die Ligandenfeldtheorie ein nützliches Werkzeug, um das Verhalten von Metallionen in Komplexen zu verstehen und vorherzusagen. Indem ihr diese Theorie und ihre Anwendungen meistert, seid ihr gut auf euer bevorstehendes Examen vorbereitet.

Zusammenfassung

  • Quadratisch-planare Komplexkoordination: Übergangsmetalle mit einer d9-Konfiguration, wie Pd²⁺ und Pt²⁺, bevorzugen diese Geometrie aufgrund einer maximal gefüllten d-Orbitalserie abgesehen vom dx²-y²-Orbital.
  • Ligandenfeldtheorie: Beschreibt die energetische Aufspaltung der 5 d-Orbitale eines Metallions in einem Komplex und erklärt Farbe, Magnetismus und Struktur der Komplexe.
  • Spektrochemische Reihe: Rangordnet Liganden basierend auf ihrer Fähigkeit, die Energie der d-Orbitale aufzuspalten; stärkere Liganden führen zu einer größeren Aufspaltung und beeinflussen die Bildung von low-spin-Komplexen.
  • d-Orbitalaufspaltung: Bezüglich einer oktaedrischen Komplexgeometrie führt die Aufspaltung zu t2g- und eg-Niveaus; Liganden verursachen die unterschiedliche Energie dieser Orbitale.
  • High-spin vs. Low-spin: Abhängig von der Größe der d-Orbitalaufspaltung können Komplexe bei geringer Aufspaltung high-spin sein (mit mehr ungepaarten Elektronen) und bei großer Aufspaltung low-spin sein (mit gepaarten Elektronen).
  • Magnetische Eigenschaften: Low-spin-Komplexe sind oft diamagnetisch wegen der vollständigen Elektronenpaarung, während high-spin-Komplexe paramagnetisch mit ungepaarten Elektronen sind.
  • Hund’sche Regel: Bei der Besetzung der d-Orbitale werden diese zunächst mit ungepaarten Elektronen gefüllt, bevor Paarung eintritt, was magnetische Eigenschaften von Komplexen bestimmt.

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Footnotes

  1. Credits Aufspaltung des Ligandenfelds im oktaedrischen Komplex Grafik: Muskid, Oktaedrisches Ligandenfeld, CC BY-SA 3.0↩︎

  2. Credits Aufspaltung des Ligandenfelds im quadratisch-planaren Komplex Grafik: Muskid, Quadratisches Ligandenfeld, CC BY-SA 3.0↩︎